Brisbane: Sabrina Seidel

Für mich stand früh fest, dass ich nach meinem Abitur gerne nach Australien möchte, so bewarb ich mich schon knapp 7 Monate vorher. Im Juni hatte ich immer noch keine passende Familie, sodass ich schon am überlegen war meine Ausreise zu verschieben, denn ich hatte geplant im Juli/August auszureisen. Doch einen Abend vor einer zweiwöchigen Kinderfreizeit lernte ich eine potenzielle Familie kennen,  bei der gleich am nächsten Morgen nach meiner Ankunft bei der Kinderfreizeit fest stand, dass sie mich als ihr erstes Au Pair haben wollen. Und ich wollte auch! Nach der Kinderfreizeit hatte ich eine Woche Zeit mich um den Flug, das Visa, sowie Versicherungen zu kümmern. Und dann hieß es ab nach Brisbane!

Der Abschied war sehr emotional, denn meine Eltern konnten es nicht fassen, dass sie mich nun für fast 7 Monate zum letzten Mal in ihren Armen halten. Doch bevor ich meine Tränen vergoss versuchte ich den Abschied schnell und schmerzlos zu gestalten. Denn mir war garnicht nach Weinen zumute, da dies eine unvergessliche Zeit werden sollte und ich meine Eltern dann ja in 7 Monaten hier wieder in die Arme nehmen werde. Im Flugzeug musste ich mich dann doch beherrschen, wenn man dann so ganz alleine ist und weiß, dass dies die letzten Minuten auf deutschem Boden ist.

Nach einigen Flugstunden sah ich auf dem Bildschirm, dass wir uns bereits über Darwin befanden, also über Australien. Jetzt wurde ich aufgeregt, denn ich dachte dass wir bald in Brisbane sein mussten. Doch es stellte sich heraus, dass selbst von da der Flug noch mehr als drei Stunden dauert – und Australien somit ein doch riesiges Land ist!

Am Flughafen holten mich nachts mein Gastvater Sam mit der kleinen Mia (vier Jahre) ab. Die Kleine rannte mir entgegen und umarmte mich stürmisch dabei kannte ich sie nur von einmal skypen. Mit dieser Reaktion hatte ich überhaupt nicht erwartet, aber ich wusste: dies werden unvergessliche 6 Monate!

Der Start bei der Familie war super, meine Gastmutter Renee kümmerte sich sehr hilfsbereit um all die Formalien in Australien und ihr war es stets wichtig, dass ich mich wohlfühlte. Sie zeigte mir auch wichtige Dinge im Umgang mit dem kleinen Jasper (damals fünf Monate), denn ich hatte keine Erfahrungen in der Kleinkind-/Babybetreuung. Doch nach kurzer Zeit kam ich super alleine mit den Kindern klar, Mia brauchte eine kleine Eingewöhnungszeit, doch später genoss sie es voll und ganz so eine große ‚Schwester‘ zu haben, die einem mal die Haare bürstet und schicke Zöpfe macht.  Renee war fast immer Zuhause, da sie schwere Rückenprobleme hat und somit nicht arbeiten kann, sich aber auch nicht vernünftig um Jasper kümmern kann und ihn andauernd hochheben oder absetzen. Trotzdem entstand auch hier eine wundervolle Beziehung und wir erzählten uns viel aus unserem Leben. 

Aber nicht nur mit der Familie war alles perfekt, denn ich fand auch einige Au Pairs mit denen ich mich am Wochenende traf und meistens an irgendwelche Strände an die Sunshine Coast oder Gold Coast fuhr. Meine Gastfamilie bot mir am Wochenende immer an den Dienstwagen von Sam zu benutzen, denn so hatte ich keine Spritkosten was ein klarer Vorteil war, da ich auch noch ziemlich außerhalb Brisbanes lebte und ca. 1 ½ Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Brisbane brauchte.

Ich war oft mit anderen Au Pairs in Brisbane und ich muss sagen, diese Stadt hat was! Alleine Southbank, eine Parklandschaft mit der Möglichkeit in einer angebauten Lagune schwimmen zu gehen und dabei direkt auf die Skyline von Brisbane zu gucken, ist wunderschön. Aber es gibt noch andere schöne Dinge wie die botanischen Gärten oder der Ausblick vom Mount Coo-tha auf Brisbane. Und dann all die wunderschönen Strände, die entlang der Küste bei Brisbane sind, sowie die Inseln sind es wert sich anzugucken und Langeweile kam nie auf.

Die Monate verflogen mit viel Spaß und unvergesslichen Eindrücken Australiens. Der Abschied rückte immer näher, doch das Wiedersehen mit meinem Freund immer näher, denn mit ihm reiste ich noch 3 Wochen durch Australien. Trotzdem war es ein schreckliches Gefühl zu wissen, dass man diese Familie und die Kindern bald verlassen muss und das Wiedersehen nicht in 6 Monaten sein würde, wir mit meiner richtigen Familie beim Abschied. Den kleinen Jasper, mit dem ich das Sitzen und Krabbeln geübt habe und Mia mit der ich viel gespielt und sie zu ihren Ballettstunden begleitet habe, sowie Renee, die diese Unterstützung braucht, dass ich die Verlassen würde, war ein komisches Gefühl. Der Abschied war sehr tränenreich, doch gekonnt wie die Australier, setzt man sich einfach die Sonnenbrille auf, sodass die Tränen nicht so auffallen.

 Ich kann jedem nur empfehlen etwas wie einen Au Pair Aufenthalt oder Ähnliches zu machen. Man lernt so viel dazu und auch über sich selbst. Es ist einfach ein riesiges Abenteuer von dem dir niemand die Erinnerungen nehmen kann. Ich hoffe, dass ich bald meine zweite Familie bei Brisbane wieder besuchen kann. J