Fransiska Seidel

Nachdem ich 12 Jahre an der Schule absolviert habe und ich schließlich mein Abi in der Tasche hatte, hatte ich die "Nase voll" vom Lernen. Ich brauchte erst einmal eine Pause, bevor das Studium los ging. Also entschloss ich mich, für ein Jahr als Au Pair nach England zu gehen!

Da ich sowieso Grundschullehrerin werden möchte, bot sich diese Gelegenheit geradezu an.

Meine Agentur "iSt" suchte mir dann eine passende Familie mit drei Kindern, die direkt im Zentrum von London wohnte. Außerdem war die Frau des Hauses französisch und der Mann schottisch, aber mit deutscher Abstammung (und perfekt deutsch sprechend). Noch zu erwähnen ist, dass die Familie ein Haus in der französisch sprechenden Schweiz hat. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Der Abschied von meinen Lieben fiel mir natürlich schwer und mit einem mulmigen Gefühl und großen Erwartungen für das neue Jahr saß ich dann im Flieger. Die erste Woche wurde ich von dem vorigen Au Pair, welches aus Frankreich kam, eingewiesen.

Anfangs war ich erst mal geschockt, was da alles auf mich zukam.

Früh um 6.00 Uhr aufstehen und Frühstück vorbereiten. Dazu gehörte jeden Morgen O-Saft pressen für 6 Leute, Obstsalat zubereiten und Baguettes im Ofen backen.

Dann galt es die Kinder zu wecken, anzuziehen und während die ganze Familie frühstückte, musste ich im Haus die Betten machen und ein wenig für Ordnung sorgen.

Von 9.00-16.00 Uhr hatte ich dann Zeit für mich, da die Kinder in der Schule waren.

Nachmittags ging es weiter die Uniformen und Schuhe in Ordnung zu halten, Hausaufgaben zu machen und Abendbrot zu machen. Nachdem ich die Küche aufgeräumt hatte, brachte ich die Kinder ins Bett. Samstags musste ich auch den ganzen Tag zur Verfügung stehen.

Mit meinen drei Kindern verstand ich mich auf Anhieb. Die beiden Mädels waren 2 und 7 Jahre alt und der Junge 9. Wie normale Kinder waren sie auch oft frech und hörten nicht. Dies forderte mich geradezu als zukünftige Lehrerin. Wir hatten wirklich eine Menge Spaß. Ich fing sogar an, der 2-jährigen Deutsch beizubringen. Heute weiß sie schon mehr als 40 Wörter. Keine Frage, natürlich bin ich stolz!

Während meiner Freizeit besuchte ich Au Pair -Treffen. Das war vor allem vor der Schule sehr nützlich. Dort lernte ich Gleichgesinnte kennen, die mich nur zu gut verstanden. Außerdem nahm ich an vielen Programmen mit meinen neuen Freunden teil. Dann ging die Schule los, wo ich auch wiederum viele nette Menschen aus aller Herren Länder kennen lernte. Am Ende hatte ich durch die Treffen und die Schule meinen festen Freundeskreis zusammen. Wir unternahmen jeden Tag etwas in London und sonntags schauten wir uns außerhalb Londons ein wenig um.

Dank meiner Freunde und ihrer Unterstützung fiel mir das Arbeiten dann auch viel leichter.

Das Verhältnis zu meiner Familie war anfangs etwas schwierig, da die Gastmutter öfters an meiner Arbeit "herumnörgelte", aber das verbesserte sich dann erheblich, als wir gemeinsam in den Urlaub in die Schweiz fuhren. Dort gab es uns nur noch zusammen! Ich gehörte nun so richtig zur Familie. Meine Arbeit musste ich natürlich trotzdem machen. Dies machte mir jedoch Spaß, da alles relaxter zuging. Die Eltern wurden viel freundlicher als sie sahen, wie glücklich die Kinder mit mir waren.

Seitdem wurde ich nicht nur als Au Pair, sondern auch als Freundin behandelt.

Vorher wurde ich auch mal kritisiert, aber man darf nie aufgeben; positiv denken und immer lächeln! Ein Lachen wirkt Wunder!

Ich möchte dieses Jahr nicht missen. Ich habe nicht nur die Sprache gelernt, sondern auch den Umgang mit Kindern, einen Haushalt zu leiten, zu kochen, andere Kulturen durch meinen neuen Freund kennen gelernt und darüber hinaus bin ich erwachsener geworden. Aber eins habe ich mir geschworen: Nie wieder Orangensaft pressen!!!

Nachdem ich wieder zu Hause ankam, ging es gleich weiter auf eine zweiwöchige Reise durch die Tschechei, Slowakei und Ungarn. Meine 3 Freundinnen, die ich in der Schule in London kennen gelernt habe, wollten mir unbedingt ihre Heimat zeigen! ...und wer weiß, vielleicht geht's nächstes Jahr zu Freunden nach Japan oder Mexiko?

Meine Gastfamilie habe ich auch gestern angerufen. Sie haben sich sehr über meinen Anruf gefreut! Sie werden mich sogar im Oktober besuchen und ich werde in den Semesterferien zu ihnen in die Schweiz fahren!