London: Ursula Ramb

Jetzt fühlt es sich an, als wäre ich schon eine Ewigkeit wieder zu Hause und doch erinnere ich mich an meine ersten Tage als Au Pair als wäre es erst gestern gewesen.

Am 21. April begann das Abenteuer Au Pair für mich. Ich war furchtbar aufgeregt, nervös und auch ein bisschen traurig meine Familie und Freunde in Deutschland zurück zu lassen und dennoch überwog die Vorfreude auf ein „neues Leben“ mit einer anderen Familie in England!

Wie würde es sein am Flughafen in London? Werde ich sie gleich erkennen? Und wie wird der kleine Junge sein auf den ich aufpassen soll? Wird er mich mögen? Werde ich ihn mögen?  So viele Fragen, die mir während meinem Flug so oft durch den Kopf gingen.

Doch wie sich schnell heraus stellte war ich nicht die einzige, die sich Gedanken machte, denn auch meine Gastmutter war nervös und aufgeregt als sie mich am Flughafen abholte.  Schließlich war ich ihr erstes Au Pair. Und auch Jack (damals 6 Jahre) schien sich viele Gedanken über die Deutsche, die so komisch Englisch spricht gemacht zu haben. Zum Glück gab es für ihn die 40 minütige Autofahrt vom Flughafen nach Hause, während der er mich über alle wichtigen Ereignisse wie Wackelzähne, Schulprojekte und Lieblingsspiele informieren konnte.

Zu Hause angekommen lernte ich auch sofort meinen Gastvater kennen, von dem ich bis dahin nicht viel mehr wusste, als dass er genau wie meine Gastmama bei der Polizei arbeitet und ursprünglich aus Irland kommt. Aber auch hier hat mich der erste Eindruck nicht getäuscht. Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden.

Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Meine Gasteltern hatte sich viele Gedanken darum gemacht, was sie mir alles zeigen müssen und wie sie es mir leichter machen können mich in der neuen Situation wohl zu fühlen. So bot es sich zum Beispiel an, da ich an Ostern angekommen bin, gleich mit der ganzen Familie im Park auf Ostereiersuche zu gehen oder das gute Wetter aus zu nutzen und mit meiner Gastfamilie und all ihren Freunden einen BBQ zu veranstalten.

Nichts desto trotz wäre es gelogen, wenn ich sagen würde wir hätten am Anfang nicht unsere kleinen Problemchen gehabt. Denn auch nach 8 Jahren Englischunterricht war „Sorry?“ mein absolutes Lieblingswort in den ersten Tagen und auch Wochen. Und auch für meine Gastfamilie muss es am Anfang sicherlich komisch gewesen sein ein neues Familienmitglied zu bekommen, mit ganz eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen wie vielleicht von meinen Gasteltern erwartet.

Durch die Sprachschule waren sehr schnell neue Freunde gefunden, mit denen man am Wochenende London erkunden konnte oder mit denen man sich einfach auf einen Kaffee treffen konnte um sich über den Au Pair Alltag aus zu tauschen. 

Mein Alltag mit Jack sah in der Regel so aus: Morgens habe ich ihn manchmal zur Schule gebracht (war abhängig von den Schichten meiner Gasteltern), was bedeutet hat, dass ich ihm geholfen habe sich für den Tag fertig zu machen (Schuluniform anziehen, Zähne putzen, frühstücken etc.) Danach bin ich mit dem Hund spazieren gegangen und von da an hatte ich den Morgen Zeit um entweder in die Sprachschule zu gehen oder meine restlichen Aufgaben im Haushalt zu erledigen oder eben London auf eigene Faust erkunden zu gehen. Nachdem ich Jack von der Schule abgeholt habe, haben wir in der Regel gegessen und zusammen gespielt oder Hausaufgaben gemacht. Wir haben viel zusammen gebastelt oder sind auch einfach mal für einen Nachmittag auf den Spielplatz gegangen.

Ob sich meine Au Pair Zeit gelohnt hat? JA – auf jeden Fall! Ich bin um eine riesen Erfahrung reicher. Ich habe eine 2te Familie in England und viele neue Freunde gewonnen. Hätte mich jemand vor meinem Au Pair Aufenthalt gefragt ob ich mir vorstellen könnte einmal Englisch zu studieren, ich hätte ihn wahrscheinlich ausgelacht, aber genau das ist mir jetzt passiert.

Ich stehe noch heute regelmäßig in Kontakt mit meinen Gasteltern und da ich sie, meinen „little brother“, meine neuen Freunde und natürlich auch  England vermisse habe ich sie nach 3 Monaten zum ersten Mal besucht und war vor ein paar Wochen zum 2ten mal wieder „at home“.

Ich kann mich bei ihnen nur immer wieder für eine wundervolle Au Pair Zeit bedanken!