Cork: Annemarie Eichenauer

Es war der 5. September. Ich stand morgens sehr früh auf um noch in aller Hektik meine letzten Sachen zu dem doch schon vollen Koffer zu packen.  Die Stimmung in diesem Augenblick lässt sich schwer beschreiben, was sicher jeder, der so etwas schonmal erlebt hat bestätigen kann! Es ist vielleicht eine Mischung aus Vorfreude, Traurigkeit, Aufregung, Stress und Unwissenheit. Also das totale Gefühlschaos! Meine Eltern fuhren mit mir nach München zum Flughafen. Die Fahrt dauerte etwa 5 Stunden. Da man nicht von Frankfurt nach Cork fliegen kann, war es  die Beste Lösung.

Während der Autofahrt  Blätterte ich in einem Buch, welches meine Freunde für mich gemacht hatten. Darin  hatte jeder eine Seite bekommen, auf die er einen Brief an mich schreiben konnte. Das hat mich in diesem Moment um ehrlich zu sein, noch etwas mehr aufgewühlt. Sollte ich wirklich ganz alleine in ein fremdes Land gehen? Kurz nach dem Abitur, einfach weg, von Freunden, Familie und alles was ich kannte? Ich bin zwar ein aufgeschlossener Mensch und beschloss schon in der 7. Klasse nach der Schule ins Ausland zu gehen aber so kurz vor der Erfüllung meines Traumes wurde mir dann doch etwas mulmig zumute. Dazu kam noch, dass es das erste Mal in meinem Leben sein würde, dass ich ein Flugzeug betreten sollte. Aber natürlich gab es kein Zurück mehr! Gut so! Es kostete mich einiges an Überwindung mich von meinen Eltern zu verabschieden, doch als ich nach einiger Zeit aus dem Fenster des Flugzeuges sah, konnte ich das Meer weit unter mir sehen. Genau dieser Anblick und der Gedanke an die Tatsache, dass ich gleich alleine mit 18 Jahren in einem fremden Land landen würde gab mir plötzlich ein unglaubliches Gefühl der Freiheit! Es war fantastisch!

Als ich in Cork landete, wurde ich von der Mutter der Familie, die ja noch relativ fremd war, ihren drei Jungs und dem Au Pair, namens Jasmin, die ich ablösen sollte abgeholt.Es war erstmal sehr seltsam, die Umstellung nur noch Englisch zu sprechen, was mir trotz guter Schulnoten am Anfang nicht ganz leicht fiel. Wir fuhren in die Kleinstadt namens Mallow, in der ich ein Jahr leben sollte. Die Jungs waren super süß und die Familie total nett! Wir hatten gleich Dinner zusammen und dann nahm mich Jasmin mit, um mir das Nachtleben von Mallow zu zeigen.  Das heißt ich wurde gleich voll mit eingebürgert! Wir hatten super viel Spaß und ich lernte gleich viele Einheimische kennen. Alle nahmen mich herzlich in die Gruppe auf, was mich sehr freute.

Leider stellte sich nach einigen Wochen heraus, dass ich mit den Kindern nicht sehr gut zu Recht kam und sie sich nur schwer von ihrem alten Au Pair Jasmin, die 2 Jahre in der Familie lebte, entwöhnen konnten. Also einigten wir uns beidseitig darauf, dass ich mir eine neue Familie suchen würde.

Nach einem Telefonat mit dem Betreuer vor Ort verlief alles reibungslos und innerhalb von 2 Tagen zog ich um zu einer Familie in Cork City. Diese Familie hatte 4 Jungs im Alter von zwei, drei, vier und  sechs Jahren. Die Mutter arbeitete jedoch nur die Hälfte der Woche. Ich hatte einen sehr anstrengenden Job aber dafür auch genügend Freizeit.  Die Jungs wuchsen mir schnell ans Herz und alles lief so gut wie perfekt. Ich verstand mich total gut mit den Eltern und auch dem Rest der ziemlich großen Familie! Ich habe schnell viele Freunde gefunden aus allen Ländern der Welt und da ich auch noch Freunde in Mallow hatte, kam ich ab und zu am Wochenende, wenn ich frei hatte, dort hin um Jasmin zu besuchen! 

Das Leben in Cork war toll! Ich traf mich fast täglich mit Freunden und erkundete mit ihnen die Stadt, ging shoppen und manchmal machten wir auch Ausflüge! Das Highlight war wohl ein Roadtrip nach Belfast, der sehr lange dauerte und eines der schönsten Erlebnisse, die ich jemals hatte war! Die Beziehung zu den Kindern wurde immer inniger und irgendwann fühlte ich mich tatsächlich, als hätte ich 4 kleine Brüder, auf die ich jeden Tag aufpassen sollte.  Wir hatten so viel Spaß! Natürlich gab es auch Momente in denen es mal nicht so schön war, aber das ist denke ich überall so, egal wo man ist. Es fällt einem eben eher auf, wenn man als junges Mädchen alleine im Ausland ist!Aber da muss man dann eben durch. Und ich denke genau das ist es, was einem so bereichert! Man entwickelt sich, wird erwachsener und lernt Probleme auch alleine, auf eigene Faust zu lösen.

Ich muss sagen, dass ich sehr viel von Irland gesehen habe, in meinem 12 monatigen Aufenthalt und für mich, ist es das schönste Land der Welt! Ich habe sehr viel gelernt und werde immer wieder zurück kommen, an diesen wunderbaren Ort, wo die Menschen so offen und lebendig sind und man auch stundenlang Gespräche mit wildfremden an der Bushaltestelle führen kann, obwohl man weiß, man sieht sie nie wieder!Sicher ist Irland auch nicht jedermanns Sache, aber da ist jeder eben anders!

Ich kann euch aber nur ans Herz legen, dass man einen Auslandsaufenthalt vor allem in jungen Jahren wahrnehmen sollte, denn dort erlangt man Erkenntnisse, die bei manchem vielleicht das ganze Leben prägen werden! Ich habe heute noch mit allen Freunden Kontakt und habe, seitdem ich wieder in Deutschland bin schon einige von ihnen wiedergesehen! Es war mein Traum, ich habe es geschafft und es war die schönste Zeit meines Lebens, die mich so geprägt hat und die ich niemals vergessen werde!