Dublin: Sonja Fricker

Dass ich für knapp ein Jahr in einem fremden Land leben wollte, welches ich bis dahin nur aus Filmen und Büchern kannte, habe ich erst wirklich begriffen, als ich nach zwei Stunden Flugzeit von strahlendem Sonnenschein im hochsommerlichen Deutschland in den kühlen Nieselregen der grünen Insel kam... Es ist ein Klischee und hat sich definitiv nicht bewahrheitet! Denn auch wenn meine ersten zwei Wochen in Dublin recht kühl und nass waren, so gab es Ende September nochmal ein paar wunderbare Spätsommerwochen.

Am Flughafen wurde ich von meiner Gastfamilie mit einem großen selbstgebastelten Namensschild begrüßt und sehr herzlich empfangen. Die Kinder verloren ihre anfängliche Scheu sehr schnell und so hatte ich kaum Zeit mir darüber Gedanken zu machen, wie weit weg von zu Hause ich mich gerade befand. Auch die unzähligen Gedanken über mögliche sprachliche Hindernisse lösten sich gleich in Luft auf, denn das fröhliche Geplapper der Kinder und das freundliche Kennenlernen mit meinen Gasteltern ließen mir kaum Zeit, darüber nachzudenken, bis es letztendlich ganz einfach funktionierte.

Es stellte sich sehr schnell eine Alltagsroutine ein, die es mir sehr leicht machte, mich an mein neues Leben in Irland zu gewöhnen. An den Wochenenden hatte ich immer frei und konnte Dublin erkunden, eine der schönsten Städte, die ich kenne. Es war auch überhaupt kein Problem, Freunde zu finden. Gerade in Dublin gibt es unzählige deutsche und deutschsprachige Aupairs.Ich habe in Drumcondra, einem Vorort nördlich der Innenstadt gelebt und hatte das große Glück, auf die Buslinien vom Flughafen zur Innenstadt zurückgreifen zu können. Denn trotz etwas gewöhnungsbedürftiger Fahrpläne, musste ich eigentlich nur zur Bushaltestelle laufen und konnte nach spätestens zehn Minuten in einen Bus einsteigen. Die Fahrt dauerte nur etwa eine Viertelstunde.

Es ist sehr praktisch, dass Irland nicht besonders groß ist. So hat man die Möglichkeit, wirklich jedes Fleckchen dieses traumhaften Landes kennenzulernen. Meine Gastfamilie ist mir immer sehr entgegen gekommen. Dadurch war es überhaupt kein Problem, auch mal am Wochenende für ein paar Tage am Stück zu verreisen. Dank eines gut organisierten Bus- und Bahnnetzwerkes, kann man einen Großteil des Landes auf eigene Faust erkunden. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Reiseunternehmen, die Touren zu den schönsten Plätzen anbieten.

Auch unter der Woche gab es etliche Möglichkeiten, mir die Zeit zu vertreiben. Durch eine Vielzahl von Abendkursen, die von der Stadt Dublin an sehr vielen Schulen durchgeführt werden (vergleichbar mit den Volkshochschulen), konnte ich einen Sprachkurs und einen Tanzkurs für das irische Setdancing belegen und habe so viele Einheimische kennen gelernt.

Insbesondere das Wetter entsprach überhaupt nicht meinen Erwartungen. Trotz eines recht feuchten Winters bin ich doch bis April ohne Regenschirm und Regenjacke ausgekommen. Und der Sommer den ich erleben durfte, war einer der schönsten, den ich mir vorstellen kann. Alles in allem war es ein unvergessliches Jahr im besten Sinne. Ich kann nur jedem raten, diese Erfahrung selbst zu machen!