Stanmore Bay Whangaparaoa: Patricia Patzer

Nun stand ich kurz vor meinem Abitur und fragte mich mal wieder: was willst du nach der Schule überhaupt machen? Auf Studieren hatte ich noch überhaupt keine Lust. Und ich wollte einfach mal raus! Etwas Neues kennen lernen, vielleicht mich selber ein wenig besser kennen lernen und einfach eine Auszeit einlegen zwischen der Schule und Studium. Mein erster Gedanke war ein FSJ, doch da war ich schon viel zu spät für. Schließlich stöberte ich durchs Internet und wusste, dass eine Freundin von mir als AuPair über iST nach Amerika geht. AuPair wollte ich zwar nicht unbedingt werden, aber wäre auch noch eine Möglichkeit, meine Auszeit zu nehmen. Also sah ich mich auf der Seite um und meine Motivation, als AuPair ins Ausland zu gehen, wuchs mit jedem Erfahrungsbericht und allen Informationen, die ich so entdeckte. Schließlich bewarb ich mich kurzerhand bei iST für das AuPair-Programm in Neuseeland. Als ich meiner Mutter davon erzählte, tat sie es mit einem kurzen Nicken ab. Sie nahm es nicht ernst. Als dann schließlich die Unterlagen ankamen und ich begann, alle Referenzen fertig zu kriegen und alle nötigen Dokumente etc. zusammen zu kriegen, merkte auch meine Familie, dass es mir ernst war. Schließlich konnte ich meine Unterlagen abschicken und bekam schon gleich zwei Wochen später das erste Familienangebot. Leider lief das alles nicht so wie gewünscht und ich wartete auf ein nächstes Familienangebot. Die nächste Familie, mit der ich in Kontakt stand, ist nun meine aktuelle Gastfamilie und ich bin doch schon froh, dass es mit dem ersten Familienangebot nicht geklappt hatte und dass ich somit in diese Familie konnte, um meine 10 Monate Neuseeland zu verbringen.

Als die Bestätigung für mich vorlag, dass die Familie mit den vier Kindern mich haben wollte und auch ich gerne in die Familie wollte, ging alles sehr schnell. Flug herausgesucht, gebucht, bezahlt, Visum beantragt und dann war ich so gut wie bereit! Nun stellte auch ich fest: es wird ernst!

Mein großes Abenteuer begann im Anfang Juli. Schweren Herzens wurde Abschied von meiner Familie und meinem Freund am Flughafen genommen und dann ging es in den Flieger ins Unbekannte, wobei ich glücklicherweise ein Mädchen dabei hatte, das ebenfalls als AuPair in Neuseeland 10 Monate verbringen wollte. So war ich bei meinem allerersten Flug nicht alleine und kannte schon gleich jemanden in Neuseeland. Somit wurde mir schon ein wenig Angst genommen und ich konnte ein wenig entspannter in mein Abenteuer gehen.

Der Flug an sich war nicht so beängstigend, wie ich es mir vorgestellt hatte und ich habe gemerkt, dass ich es wirklich liebe, zu fliegen! Bis nach Sydney war auch noch alles gut und ich freute mich riesig auf meine 10 Monate in einem unbekannten Land mit neuen Menschen, neuer Kultur und vielen neuen Erfahrungen, die auf mich warteten. Ab Sydney jedoch wurden die Zweifel immer größer, ob es nicht doch die falsche Entscheidung war. Ich kannte schließlich meine Gastfamilie überhaupt nicht richtig! Ich hatte nur mit ihnen telefoniert und geschrieben! Woher sollte ich auf einmal wissen, dass sie wirklich die richtige Familie war! Zweifel über Zweifel kamen auf und ich wäre am liebsten sofort wieder nach Hause geflogen… Die Zweifel verflogen jedoch sofort, als ich meine Gastfamilie dann am Flughafen erblickte. Dort stand sie mit einem großen Smiley-Luftballon und einem Schildchen in der Hand mit meinem Namen darauf. Schon beim ersten Blick wusste ich: da lässt es sich doch die 10 Monate aushalten!

Als ich ankam waren erst einmal Ferien und ich brauchte eigentlich nicht wirklich was machen, damit ich mich einleben konnte. Schließlich kam die erste Schulwoche und ich begann so langsam, meine Aufgaben aufzunehmen. Ich setzte mich mit meiner Gastmutter zusammen, die mir meine Aufgaben erklärte und zeigte.

Meine Aufgaben hier bestanden größtenteils aus Haushaltsaufgaben. Ich habe die Wäsche gewaschen, habe gebügelt, Staub gewischt, gestaubsaugt, gewischt, geputzt und einfach versucht, das Haus sauber zu halten, was bei vier Kindern nicht immer ganz so einfach war…

Ich war erst ein wenig überwältigt, da ich vorher nicht wirklich viel im Haushalt gemacht hatte. Natürlich hatte ich mal ab und zu gebügelt oder gestaubsaugt, aber das war es auch im Großen und Ganzen…. Meine Gastmutter war aber sehr verständnisvoll und zeigte mir alles, sodass ich da überhaupt keine Sorgen haben brauchte.

Zu den Haushaltsaufgaben kamen dann die Kinder noch dazu, auf die ich öfters mal aufgepasst habe und sie beschäftigt habe. Der Tagesablauf in Neuseeland ist doch schon sehr anders gewesen verglichen mit meinem Alltag. Jeden Tag Wäsche waschen, jeden Tag die Kinder baden, kein richtiges Mittagessen (das gibt es erst abends)… aber auch daran gewöhnt man sich sehr schnell.

Natürlich war die erste Zeit noch immer sehr schlimm und ich habe mich vor lauter Heimweh oft gefragt, wie ich die 10 Monate überhaupt durchhalten soll. Aber das Heimweh verflog mit der Zeit und ich fühlte mich immer wohler in meiner neuen Familie. Ich durfte schließlich auch meinen Traum hier leben und tatsächlich direkt am Strand wohnen in der schönsten Bay, die ich je gesehen hatte!

Anfangs kamen natürlich oft doch noch Situationen, in denen ich mich sehr unsicher gefühlt habe und nicht wusste, was ich tun sollte. Schließlich musste ich mich erst einleben in der Familie und auch die Familie musste sich erst an mich gewöhnen. Da war es auch kein Wunder, dass die beiden kleinsten Kinder meiner vier Gastkinder beim Baden geweint haben und ihre Mutter wollten und nicht mich. Aber auch das legte sich schnell und sie gewöhnten sich an mich. Schließlich kamen sogar die ersten Umarmungen oder Küsse von den Kindern und man fühlte sich nun auch von ihnen angenommen.

Mit meiner Gastfamilie verstand ich mich sofort sehr gut. Meine Gastmutter war immer verständnisvoll und wie eine richtige Mutter für mich und auch der Rest der Familie war stets nett und akzeptierte mich als neues Familienmitglied.

Gleich in der ersten Woche fand ein AuPair-Treffen statt, zu dem ich ging. Gleich dort lernte ich viele andere AuPairs kennen, die auch neu waren oder auch schon länger hier waren. Eine flog sogar am nächsten Tag nach Hause, wo ich mir noch dachte: „ Können wir nicht tauschen?“ und überhaupt nicht verstehen konnte, dass sie so traurig war, gehen zu müssen… Dass es mir am Ende selbst so gehen würde, hätte ich da noch nicht gedacht.

Die ersten Kontakte wurden geknüpft und so fand ich auch einige Freunde, mit denen ich in der Zukunft viele Ausflüge machte, um Neuseeland zu erkunden und um einfach Spaß zu haben und mal raus zu kommen am Wochenende. Das Gute war, dass meine Freundinnen hier alle ungefähr genauso lange blieben wie ich, also dass wir wirklich von Anfang bis Ende unsere Zeit hier zusammen erleben konnten. Und ich muss sagen, dass es sehr gut tut, wenn man Freunde hier hat, die genau wissen, wie es einem geht in schweren Situationen, da sie das Gleiche erleben in ihren Familien. Und es gibt öfters schwere Situationen, mit denen man vorher nicht gerechnet hat, doch es gibt auch genau so viele (wenn nicht noch mehr) gute Situationen, die man nie wieder vergessen wird!

Die Zeit verflog wirklich wie im Flug und auch Weihnachten, wo man ja besonders Angst vor hat in einem neuen Land, ohne die eigene Familie, ist auch viel harmloser gewesen, als ich dachte. Und wer hat schon mal die Gelegenheit, Weihnachten bei Sonne und Meer am Strand zu feiern? Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert!

Für mich gab es trotzdem oft Zeiten, in denen ich Heimweh hatte und meinen Freund auch unheimlich vermisste, doch ich denke, das gehört dazu und nur so habe ich gelernt, dass ich auch 10 Monate gut ohne meine Familie überleben kann und auf meinen eigenen Füßen stehen kann.

Heimweh gehört dazu und das wird auch kommen, aber es geht auch wieder vorbei und die Zeit, die man hier in Neuseeland erlebt, ist einfach unvergesslich (und somit auch das Heimweh wert).

Ich war mit meinem Freund 2 Wochen zusammen, als ich für 10 Monate nach Neuseeland ging. Und ich kann sagen: auch frische Beziehungen können 10 Monate getrennt gut überstehen ;)

Im März kamen schließlich zwei Freunde aus Deutschland zu Besuch, um Neuseeland zu bereisen. Mit ihnen ging ich zwei Wochen auf die Südinsel und reiste mit ihnen in einem Campervan die Südinsel ab. Die Reise war wirklich wunderschön und den Urlaub hat man sich dann auch mal verdient als AuPair! ;)

Also alles in allem kann ich sagen, ich bin wirklich froh, die Entscheidung für meinen AuPair-Aufenthalt in Neuseeland getroffen zu haben und dass ich diese Zeit nie vergessen werde! Ich habe hier Kontakte geknüpft, die für immer halten werden und habe einfach wunderbare Erfahrungen gemacht, die mich selbst geprägt haben und die mir viel weiterhelfen werden in meinem späteren Leben!

Ich werde auf jeden Fall noch mal zurück nach Neuseeland kommen, wenn ich die Gelegenheit dazu haben werde! Und dann kann ich auch mit einem sichereren Gefühl in den Flieger steigen als letztes Jahr….

Also wagt den Schritt ins Unbekannte – ihr werdet es nicht bereuen!

Patricia Patzer