Victoria: Katrin Schwaab

Ich habe 1 ½ Jahre in Minnesota in der USA verbracht. Seit ich wieder in “good old Germany” bin, wurde ich sehr oft gefragt, wie es denn war. Das muss ich normalerweise in 3 Sätzen zusammenfassen, aber für euch werde ich das etwas genauer machen!

Ich habe mich über verschiedene Agenturen informiert und am Ende blieb iSt übrig. Daraufhin habe ich mich angemeldet und wurde auch sofort zum Vorstellungsgespräch in Frankfurt eingeladen.

Das Gespräch ist für mich sehr locker gelaufen, da mein Englisch schon sehr gut war.

Einige Zeit später bekam ich die Unterlagen zugeschickt, bei denen man jede Menge Angaben machen musste, damit die potentiellen Gastfamilien sich ein Bild von meiner Person machen konnten. Das Ausfüllen der Formulare, das Erstellen der Collage und die Verfassung des Briefs waren viel Arbeit, aber es hat auch Spaß gemacht!

Danach hieß es warten. Nachdem meine Unterlagen vollständig bearbeitet waren, wurde mir noch einmal ein Brief zugeschickt. Von da an waren meine Unterlagen im Internet. Jeden Tag hätte sich nun eine Familie melden können. Kurz danach, Anfang Februar, haben sich sofort 3 Familien gemeldet. Eine davon hat auch gepasst. Ich habe mich sofort sehr gut mit Linda, Paul und Jake Meschke verstanden. Wir haben ca. 4 Tage lang jeden Tag E-Mails geschrieben und insgesamt 3 mal miteinander telefoniert, bevor wir uns für einander entschieden haben. Kommunikation ist unglaublich wichtig!

Im April bin ich zuerst nach New York zum Workshop geflogen. (…und vor dem Test am Ende der Woche müsst ihr keine Angst haben…) Alles läuft ganz locker!

Freitags ging es dann auf zu meiner Gastfamilie. Als ich aus dem Flugzeug stieg, war ich schon sehr nervös, aber als ich sie dann gesehen habe, war alles wie weggeblasen! Die Familie war noch netter als ich dachte. Ich habe mich von Anfang an wie zu Hause gefühlt. Der Kleine Jake war am Anfang noch schüchtern, was sich aber schnell geändert hat. Auch alle Verwandten und Freunde der Familie waren sehr nett. Ich habe von Anfang an dazu gehört.

Natürlich hatte ich zwischendurch auch Heimweh, aber man kann ja anrufen, E-Mails und Briefe schreiben! Über Skype.com konnte ich sogar kostenlos übers Internet telefonieren und auch sehr günstig auf das Festnetz anrufen, was das alles noch viel einfacher gemacht hat.

Nun kurz etwas zu meinem Aufgaben.

Ich war eine der Glücklichen, die erst um 9:00 Uhr angefangen hat und um 18:00 Uhr wieder aufgehört hat. Zweimal die Woche habe ich von 15:00 Uhr bis der kleine Kerl eingeschlafen war gearbeitet. Einmal davon war samstags, weil meine Gasteltern dann ausgegangen sind. Einmal im Monat hatte ich aber das ganze Wochenende frei. Ich habe Mittagessen für Jake gemacht, seine Wäsche gewaschen, Spielzeug aufgeräumt und Küche und Esszimmer gesaugt und geputzt. Ansonsten war meine Hauptaufgabe Jake zu Unterhalten. Wir waren im Sommer sehr oft auf dem Spielplatz, im Schwimmbad oder Radfahren. Im Winter sind wir Schlitten gefahren, wenn es nicht zu kalt war. Meine Gastfamilie hatte einen Bastelraum in dem wir uns wohl die meiste Zeit an kalten und regnerischen Tagen aufgehalten haben. Das war sehr praktisch! Einmal die Woche habe ich abends für die ganze Familie gekocht.

Mit meiner Gastfamilie kam ich immer sehr gut aus. Klar gab es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber das war immer schnell wieder geklärt. So ist das halt wenn man zusammen lebt; man bekommt alle Höhen und Tiefen mit!

Meine Gastfamilie hat mich mit in Urlaub genommen. Ich habe zwar auch auf den kleinen Jungen aufgepasst, aber sie haben mir immer Zeit gegeben, um selbst etwas zu unternehmen! Am meisten hat mich gefreut, dass ich mit auf das Familienfoto für die Weihnachtskarten durfte! Da habe ich mich dann wirklich wie ein Familienmitglied gefühlt! Meine Gasteltern haben mich im Januar gefragt, ob ich meinen Aufenthalt bei ihnen verlängern wollte. Ich habe darüber nachgedacht und mich dann entschieden, 6 Monate länger zu bleiben. So konnte ich dann noch einen zweiten Sommer in Minnesota verbringen. Trotz der Verlängerung ist die Zeit sehr schnell vergangen! Der Abschied ist mir schwer gefallen, da ich meine Gastfamilie doch sehr lieb gewonnen habe. Ich hätte nie erwartet, dass man bei Fremden einzieht und sie dann so lieben lernt!

Ich habe sehr viel gesehen, viele neue Freunde gefunden, mein Englisch perfektioniert und viele neue Erfahrungen gemacht!

Erst seit ich zurück bin habe ich gemerkt, wie viel mir mein Auslandsaufenthalt gebracht hat. Im Anglistik Studium habe ich unglaubliche Vorteile, da ich Englisch wie meine Muttersprache beherrsche. Ich kann Dinge aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich vorher blind gewesen bin und jetzt kann ich plötzlich sehen. Es ist ein tolles Gefühl!

Jemand, der nie im Ausland gelebt hat, kann das alles gar nicht richtig nachvollziehen, deshalb kann ich nur empfehlen sich einfach zu trauen und auf ein kleines Abenteuer im Ausland einzulassen.

Ich hoffe meine Schilderung hat euch einen kleinen Vorgeschmack gegeben und das Reisefieber in euch geweckt!

Eure Katrin