Utica: Ulrike Drews

Begonnen habe ich mein AuPair Jahr - nach dem fünftägigen Workshop in New York - in einer Familie in Philadelphia mit zwei Kindern. Aufgrund der unterschiedlichen Kindererziehung in Amerika und der fehlenden Integrationsbereitschaft seitens der Familie, stand sehr bald fest, dass wir nicht füreinander geschaffen waren.

Nach nur vier Wochen konnte ich glücklicherweise mit Hilfe der dortigen Community Counselorin wechseln und kam so zu einer Familie nach Utica im Staat New York. Kein normales AuPair Leben, was mich da erwartete, denn ich war das einzige AuPair in der Umgebung. Aber das Wichtigste ist, was man selbst daraus macht...

So habe ich dort nette deutsche Studenten kennen gelernt und super viel Spaß gehabt! Meine neue Gastfamilie war perfekt und ich habe mich sofort total wohl bei ihnen gefühlt. Mit den beiden Kindern Morgan (anfangs 2 Jahre) und Julian (anfangs 1 Jahr) gab es keine Schwierigkeiten und sie wuchsen mir sofort ans Herz. Es war wunderschön mitzuerleben, wie die beiden immer größer wurden.

Die einzelnen Tagesabläufe gestalteten sich unterschiedlich. Zu Anfang waren noch beide Kinder zuhause, wobei später Morgan täglich von neun bis zwölf Uhr in den Kindergarten ging. Meistens begann mein Tag gegen neun Uhr. Ich frühstückte mit beiden und anschließend spielte ich mit beiden im Playroom, ging mit ihnen zum Spielplatz oder spielte einfach draußen im Garten. Später, als ich vormittags alleine mit Julian war, gingen wir beide auch mal zur Kindermusik, wo gesungen und getanzt wurde, oder ich unternahm eine kleine Radtour mit ihm. Ich hatte viel Freiheiten in dieser Hinsicht und durfte auch Autofahren mit ihnen, was nicht immer bei jedem AuPair so selbstverständlich ist.

Nach dem Lunch machten die Kinder ihren Mittagsschlaf, der meistens bis 17 Uhr oder auch manchmal 18 Uhr ging, da sie sehr gute "Napper" waren.

Wenn wir dann alle zusammen Dinner gegessen hatten, war ich "off" und konnte tun und lassen, was ich wollte. Meistens verbrachte ich meine Abende bei den Studenten oder im Fitnesscenter.

Von Anfang an führten wir ein Arbeitsverhältnis, das aus Geben und Nehmen bestand - somit hatte ich keinen festen "Stundenplan" am Tag. Dadurch konnte ich auch öfters mal hintereinanderliegende Wochenenden frei nehmen und verreisen. Dieses Verhältnis unterstützte ganz klar als Familienmitglied angesehen zu werden und nicht als eine Angestellte. Dementsprechend fühlte ich mich auch von Anfang an. Ebenso reiste ich viel mit der Familie und bekam dadurch viel zu sehen von den Staaten.

Als das Jahr vorüber war, fiel uns allen der Abschied sehr schwer, auch wenn kein Abschied für immer sein würde. Die Familie - besonders die Kinder - und das ganze dort aufgebaute Leben zurückzulassen, war umso schwerer. Das Wiedereinleben in Deutschland stellte genauso ein Problem für mich dar, aber zu meinem Glück wurde ich schon im Februar wieder zum Skifahren von ihnen eingeladen und konnte so ein paar schöne Wochen mit ihnen verbringen. Wir haben immer noch regelmäßigen Kontakt und spätestens im August werde ich wieder rüberfahren.

Selbstverständlich vergisst man im Nachhinein immer die schlechten, oder besser gesagt, die harten Seiten des Jahres. Sicherlich war der Anfang nicht gerade das, was man sich vorgestellt hat und besonders dann, wenn man einen Wechsel durchstehen muss. Aber genau diese Dinge sind es, die einem in diesem Jahr reifer und erwachsener werden lassen. Man steht auf eigenen Füßen und muss sich selbst durchbeißen, andernfalls erreicht man nichts. Später kann man sehr stolz auf sich sein, ein Jahr im Ausland verbracht zu haben.

Insgesamt war es ein super erlebnisreiches Jahr. Ich bin sehr viel in den Staaten rumgekommen, hab eine Menge der amerikanischen Kultur vermittelt bekommen und viele nette Leute kennen gelernt.

Selten wieder wird man in seinem Leben die Chance haben, in nur einem Jahr so viele verschiedene Eindrücke zu gewinnen und so schnell reifer, offener und erwachsener zu werden. Das AuPair - Jahr ist eine unschlagbar bereichernde Erfahrung, die einem keiner nehmen kann und die einem im Leben viel weiterhilft!