Midland: Manuela Hecht

"One dream, two years, three kids"

Zuerst war es wirklich nur ein Traum, von dem ich dachte, der nie in Erfüllung gehen wird als ich Mitte Januar das Onlineformular ausfüllte. Zu meiner Überraschung wurde ich jedoch sehr schnell zum persönlichen Interview eingeladen, erhielt die Zusage in das Au-pair-Programm aufgenommen zu sein, die Mitteilung dass meine Bewerbung an die Partnerorganisation weitergeleitet wurde und Ende März bereits sogar die Zusage von der Partnerorganisation. Nun hieß es für mich warten, da ich erst Anfang Juni das Vorbereitungsseminar hatte. Zudem hieß es auch warten auf Anrufe oder Emails von Gastfamilien. Etwas beunruhigt war ich bei dem Seminar, da die meisten Aupairs schon eine Gastfamilie hatten, es schon Anfang Juni war und ich plante Anfang August auszureisen. Kurz nach dem Seminar erhielt ich eine Email von meiner zukünftigen Gastfamilie, wir schrieben zwei Wochen täglich sehr lange Emails. Dann kam der Anruf meiner Gastmutter und sie fragte mich am Telefon, ob ich denn gerne in ihre Familie kommen möchte. Somit sagte ich zu. Mitte Juni erhielt ich die offizielle Platzierung in der Familie sowie auch meine Flugdaten. Auch einen Termin beim Konsulat hatte ich nun ausgemacht. Als ich meinen Reisepass mit dem Visum zurückerhielt war mir klar - MEIN TRAUM GEHT IN ERFÜLLUNG, ICH FLIEGE NACH AMERIKA!!!!!!!!!!!

Am 4. August ging es dann los nach NYC. Unsere Unterkunft und auch der Workshop fand im YMCA statt. Die Lage ist einfach unbeschreiblich. Geht man raus und nach links, ist man in 2 Minuten am Central Park, geht man nach rechts und läuft 5 Minuten kommt man direkt an den Broadway. Zudem war die nächste Subway Station auch ca. 5 Minuten entfernt. Am nächsten Abend machten wir alle eine Stadtrundfahrt mit einem Doppeldeckerbus. Am Freitag war jeder total aufgeregt, denn nun ging es endlich weiter zu den Gastfamilien. Meine Gastmutter holte mich mit Nico (2 Jahre) am Flughafen ab. Zuhause lernte ich dann den Opa, Chris (14 Monate), Tony (3 Monate) sowie Lucy den Kater und Ralph und Ruby die Hunde kennen. Am Abend kam der Gastvater von der Arbeit heim. Ich fand es super toll. Die Jungs waren total süß, vor allem nachdem mich das Baby das erste Mal anlächelte. Jedoch gab es dann Probleme mit der Gastmutter und somit musste ich ins Rematch gehen. In dieser Zeit wohnte ich bei einer Freundin, die auch als Aupair nach Amerika kam und mit ihrer Gastfamilie in Philadelphia wohnte. Sie bot es mir sofort an also fuhr ich Anfang Oktober nach Philadelphia.

Ich war zu dem Zeitpunkt etwas down, da es mir sehr gut in der Familie gefallen hatte und ich das Gefühl hatte, sie mögen mich. Zudem war ich enttäuscht, dass sich meine Gastmutter so gewendet hat und natürlich war auch die Angst da, keine neue Familie vermittelt zu bekommen. Ich wollte einfach nicht, dass mein Traum nach so kurzer Zeit schon wieder zu Ende sein sollte. Meine Freundin und ein weiteres Aupair aus Philadelphia unterstützten mich in dieser Zeit, sprachen mir Mut zu und lenkten mich durch Sightseeing in Philadelphia ab. In dieser Zeit hatte ich auch Kontakt zu Gastfamilien, doch einige versprachen noch mal anzurufen, taten es jedoch nicht und eine andere die auch großes Interesse zeigte, sagte dann doch ab. Jedoch hatte ich auch Emailkontakt mit einer Familie aus Virginia. Nach einigen Mails und ein paar Telefonaten fragte mich die Gastmutter ob ich es mir vorstellen könnte zu kommen. Nachdem ich ja sagte, hatte ich kurz darauf eine Freudenmail von ihr im Postfach und ein paar Minuten später auch das Zugticket nach Virginia. Somit fuhr ich im Oktober nach Virginia, zu MEINER Gastfamilie.

Am Abend meiner Ankunft holte meine Gastmutter mich mit den Jungs (4 und 6 Jahre) ab, das Mädchen (2 Jahre) war bereits im Bett. Sie lernte ich am nächsten Morgen kennen. Alle drei Kids waren sehr neugierig und wollten gleich mit mir spielen, fragten mich Löcher in den Bauch und wollte mir auch gleich alles zeigen. Meine Gasteltern integrierten mich total in die Familie, wir gingen gleich an meinem ersten Wochenende zu Freunden und schauten bei denen ein Footballspiel im TV an und unterhielten uns mit Drinks und Snacks und hatten einfach nur Spaß. Dann ging es auch los mit Festen wie Halloween, Thanksgiving und Weihnachten. Zu allen wurde ich eingeladen. Und oft hörte ich von meiner Gastmutter wie sehr sie es schätzt mich in der Familie zu haben und bedankte sich fast täglich für meine Hilfe. Auch von den Kids hörte ich jeden Tag ein "I love you Manny". Dies zeigte mir, dass ich meine Familie gefunden hatte. Anfang Dezember fragte meine Gastmutter mich ganz spontan ob ich denn auch länger als das eine Jahr bleiben würde. Wir redeten eine ganze Weile darüber und sie meinte wenn ich verlängern möchte, sie würde sich freuen mich noch eine Weile länger haben zu dürfen. Die Kinder haben das auch mitbekommen und mischten sich gleich mit ein und sagten "Manny, you have to stay with us" oder "I want you to stay forever". Das hat mich natürlich total gerührt und ich sagte meiner Gastmutter dass ich gerne länger bleiben würde.

 Noch im Dezember erhielten wir das Extension Agreement, das meine Gastmutter, mein Gastvater, meine Counselorin und ich unterschrieben und Euraupair zuschickten. Anfang Januar erhielten wir es auch schon von Euraupair unterschrieben zurück. Somit stand fest, ich bleibe 12 weitere Monate in den Staaten. Hin und wieder kam schon der Gedanke, dass es doch eine lange Zeit sei. Aber ich muss sagen, die Zeit verging wie im Flug und ich kann es momentan noch nicht glauben, dass ich nun wieder zurück in Deutschland bin.

Ich habe die Zeit als Aupair sehr genossen und bereue keine Minute. Die Erfahrungen die man erlebt waren einfach einzigartig. Selbst die Erfahrungen in der ersten Familie hatten auch ihr gutes, denn man merkt dass man selbst solche Zeiten durchstehen kann und das bestärkt einen um einiges. Ich habe selbst gemerkt, wie ich mich in den zwei Jahren verändert haben. Ich kam als schüchternes Mädchen, ohne großes Selbstbewusstsein in die USA aber entwickelte mich zu einer selbstbewussten, offenen, jungen Frau. Ich bin selbstständiger geworden, mir fällt es leichter auf Leute zuzugehen und sehe auch vieles mit anderen Augen. Außerdem habe ich mein Englisch sehr verbessern können. Ich hatte anfangs bedenken, schon allein die Familie nicht zu verstehen und umso mehr auch mal einkaufen zu gehen, Bankgeschäfte zu regeln, Reisen zu buchen usw.... Doch man lernt es unglaublich schnell sich zurecht zu finden und auf einmal wird es zur Routine und man denkt gar nicht mehr nach wie man es übersetzen soll, sondern denkt auf einmal in Englisch. Nun ist es für mich wieder eine Umstellung auf Deutsch zu denken, und ich merke dass ich bei manchen Wörtern erstmal überlegen muss wie die auf Deutsch heißen.

Ich habe viele tolle Ereignisse in den beiden Jahren gehabt und viel gesehen. Mein erster Urlaub mit Au-pair-Freunden ging nach Miami Beach, kurz darauf fuhr ich mit meiner Gastfamilie in die Outer Banks, North Carolina. Im Frühling machte ich eine Tour mit einer Freundin über Suntrek in Kalifornien. Mein Familienurlaub im zweiten Jahr ging nach Lewis Beach, Delaware und meinen Reisemonat begann in New York und endete in San Fransisco, eine 3-wochen Tour quer durchs Land mit Suntrek. Als meine Mutter mich aus Deutschland besuchte, fuhren wir in den Norden nach Michigan. Während den beiden Jahren war ich öfters mal in Washington DC und New York und Philadelphia durfte ich im Rematch und in meiner ersten Reisemonatwoche noch mal erleben.

Ganz besonders hat mir während meines USA Aufenthaltes jedoch meine Gastfamilie gefallen. Ich kann es mit Worten gar nicht beschreiben wie dankbar ich meiner Gastfamilie bin. Sie haben mich damals in meiner Notsituation aufgenommen und mir gezeigt wie toll das Familienleben sein kann und mich als Tochter bzw. große Schwester gesehen. Der Abschied war super schwer nach zwei Jahren und obwohl ich danach noch meinen kompletten Reisemonat gemacht habe und nun auch schon einige Zeit wieder in Deutschland bin, kommen mir beim Anschauen der Bilder oder bei Erinnerungen immer noch die Tränen und ich merke wie sehr ich sie doch vermisse. Es war eine Erfahrung in meinem Leben, die ich nie vergessen werde. Wenn ich die Chance hätte, würde ich jederzeit wieder als Aupair nach Amerika gehen!

Es wäre schön wenn ich meine Gastfamilie bald schon wieder besuchen könnte oder sie mich in Deutschland besuchen würden.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben und motivieren den Schritt zu wagen und immer positiv zu denken auch wenn man teilweise lange Wartezeiten durchgehen muss bis sich Familien melden. Und ich hoffe auch, dass ich evtl. Bedenken von einigen nehmen konnte, denn ich habe selbst eine schwierige Zeit durchgemacht und kann daher von meiner Seite aus sagen, es hat mir auch für die Selbstständigkeit und meine persönliche Entwicklung geholfen und mich sehr gestärkt. Ich bin nun auch froh wie es gelaufen ist, denn hätte ich in der ersten Familie nicht solche Probleme gehabt, hätte ich nie meine Traumfamilie in Virginia kennen gelernt.