Ashburn: Nadine Pilawa

Mein Jahr in den Staaten war eins der ereignisreichsten und erfahrungsreichsten meines bisherigen Lebens. Der Wunsch als Au Pair in die USA zu gehen kam relativ früh, da ich schon lange auf jüngere Kinder aufgepasst habe und schon immer einen „guten Draht“ zu Kleinkindern hatte.

An dem Tag, an dem ich mich dazu entschlossen habe, kann ich mich noch erinnern, als wäre es erst gestern passiert: Der letzte Schultag der neunten Klasse in unserer Cafeteria. Es lagen Prospekte und Werbung in der Bibliothek. Zweieinhalb Jahre später dann bewerbe ich mich online in unserer Bibliothek zwischen zwei Schulstunden.

Natürlich war meine Mama am Anfang nicht ganz so begeistert, dass ich gleich nach dem Abitur für ein ganzes Jahr weg wollte, und dann auch noch so weit weg. Aber ich liebte die englische Sprache, ich liebte es zu babysitten …, ich war schon immer neugierig was andere Kulturen anging, ich wollte schon immer mal nach Amerika, und ich wusste noch nicht hundertprozentig was ich studieren wollte. Also war Au Pair die perfekte Lösung für mich.

Der Abschied am Flughafen im Juni war natürlich schwer, aber nachdem die ersten Tränen vergossen waren und ich in Amerika angekommen war, fiel es mir viel einfacher, da ich wusste ich sehe sie in einem Jahr wieder (was ich nicht von dem Abschied von meiner Gastfamilie sagen kann, der fiel mir um einiges schwerer allein aus dem Grund, dass ich nicht sicher sein konnte, sie bald wieder zu sehen).

Ich bin einen Tag nach dem Anfang der Sommerferien angekommen. Somit hatte ich die ganzen Ferien über Zeit eine Beziehung mit den Kids aufzubauen. Es war zwar etwas anstrengend, die Kids von Anfang an den ganzen Tag zu haben, aber ich bin froh, dass ich die Gelegenheit dazu hatte, da es schwierig geworden wäre diese Beziehung aufzubauen, wären sie 8h am Tag in der Schule gewesen. Vor allem, weil die Kids selbst während den Ferien für einen großen Teil des Tages in Sommercamps waren wo ich sie hin bringen musste und abholen und Snacks dafür packen. Glücklicherweise nicht den ganzen Sommer über, sondern nur zeitweise.

Einen Teil des Sommers verbrachte ich im Sommerurlaub mit der ganzen Familie für eine Woche in Maryland. Es war eine superschöne Woche, auch wenn man noch nicht den Punkt von Familienmitglied erreicht hatte. Dafür brauchte ich noch ein paar Wochen, dennoch war der Urlaub einfach nur wunderschön an einem See mit Boot und Raft und ganz viel Sonnenschein.

Während der Schulzeit war es relativ einfach. Irgendwann leider etwas langweilig, aber durch Fitnessstudio und Malls ließ sich der Morgen auch ganz gut rumkriegen. Außerdem habe ich durch die monatlichen Au Pair Meetings andere Mädels aus meiner Gegend kennengelernt, eine wohnte nur 2 Minuten zu Fuß in Amerika und in Deutschland nur 2 h entfernt. Das heißt auch mit ihnen konnte man morgens Sachen zusammen unternehmen.

Zu meinen Aufgaben gehörte unter anderem auch die Wäsche der Kids zu machen und das Badezimmer sauber zu machen. Da die Kinder älter waren, gehörte auch die Küche größtenteils meinen Pflichten.

Wenn die Kids nachmittags zu Hause waren, mussten sie erst mal ihre Hausaufgaben und Aufgaben im Haushalt erledigen (Chores). Meine Aufgabe war es dafür zu sorgen, dass sie sich nicht davor drückten. Danach hatten sie meistens ihren eigenen Plan. Manchmal waren sie so gnädig und ich durfte mit ihnen spielen! =)

Zu gewissen Saisons musste ich sie dann am späten Nachmittag zu ihren Aktivitäten fahren wie Softball, Ballett, oder Baseball. Abends musste dann jeder mithelfen um das Dinner fertig zu machen und nach dem Dinner hatte ich frei und konnte mit meinen Mädels ausgehen oder den Abend mit meiner Gastfamilie verbringen.

Die Feiertage wie Thanksgiving oder Christmas habe ich natürlich mit meiner Gastfamilie verbracht.

Zu Thanksgiving: Essen

Zu Christmas: noch mehr Essen

Natürlich wird Thanksgiving ganz groß gefeiert in Amerika, mit Familie und ganz viel Essen, wovon mehr als die Hälfte übrig bleibt und noch die ganze nächste Woche gegessen wird, aber da man Weihnachten erst zu Hause, dann bei Großeltern I und dann bei Großeltern II feiert, kam es mir viel größer vor.

Was sehr zu empfehlen ist, ist der 4. Juli. Vor allem in Washington mit Parade und Feuerwerk, obwohl das Feuerwerk in Miami Beach noch schöner ist.

Eines der einprägsamsten Dinge an dem Au Pair Leben ist auch gleichzeitig jenes, was ich hier zurück in Deutschland am meisten vermisse: Reisen!

Als Au Pair nur 1 Jahr lang in einem riesigen Land zu sein verpflichtet einen quasi dazu so viel wie möglich zu sehen. Vor allem Au Pairs die jetzt erst anfangen bekommen fast 200$ pro Woche, die, wenn richtig gespart, mehr als genug zum Reisen bieten. Selbst ich, die leider nicht von Anfang an für den 13. Monat gespart hat und so leider keine Kalifornienreise machen konnte, habe den Großteil der Ostküste gesehen: Boston, New Haven, New York, Baltimore, Washington DC, Alexandria, Georgetown, Annapolis, Shenandoah National Park, Fort Lauderdale, Miami, Everglades, Chicago,...

Nicht nur die Reisen an sich, die jede einzelne für sich eine unvergessliche Erfahrung mit unbeschreiblichen Erinnerungen ist, sondern vor allem wie man sie geplant hat. Dieses: „Ich habe Zeit und Geld und... hast du nicht Lust mit mir in zwei Wochen nach Chicago zu fliegen?“ „Ja, warum nicht!“ „Habt ihr noch einen Platz frei? Ich komme auch noch mit!“ Es fehlt mir jetzt schon, obwohl ich erst seit einer Woche zu Hause bin.

Liebe Grüße

Nadine